MPAV - Medizinprodukte-Abgabeverordnung

§ 4 Sonstige Abgabebeschränkungen

  1. Die Abgabestelle muss die betrieblichen Voraussetzungen für eine sachgerechte Lagerung der vorrätig gehaltenen Produkte erfüllen. Eine Abgabe von Produkten, die nicht zur Anwendung durch Laien vorgesehen sind, darf nur an Fachkreise nach § 3 Nummer 2 des Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetzes erfolgen, es sei denn, eine ärztliche oder zahnärztliche Verschreibung wird vorgelegt. Die Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung über das Inverkehrbringen und die Lagerung von Produkten bleiben unberührt.

  2. Die Abgabestelle muss bei Bedarf eine fachliche Beratung gewährleisten für Produkte, die

  1. verschreibungspflichtig, aber nicht apothekenpflichtig sind,
  2. zur Anwendung durch Laien angeboten werden und nicht der Klasse I nach den Klassifizierungsregeln des Anhangs VIII der Verordnung (EU) 2017/745 angehören oder die
  3. In-vitro-Diagnostika zur Eigenanwendung sind. Dies gilt nicht bei einer Abgabe an Fachkreise nach § 3 Nummer 2 des Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetzes.
  1. Die Sachkenntnis zur fachlichen Beratung wird bei Ärzten, Zahnärzten, Medizinprodukteberatern nach § 83 des Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetzes, Drogisten, Gesundheitshandwerkern gemäß Anlage A Nummer 33 bis 37 der Handwerksordnung und bei Leistungserbringern, die nachweislich die Anforderungen des § 126 Absatz 1 Satz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch erfüllen, für die jeweils von ihrer Ausbildung erfassten Gruppen von Produkten vorausgesetzt.

  2. (weggefallen)

(4a) (weggefallen)

  1. (weggefallen)

Überblick und Anwendungsbereich

§ 4 MPAV regelt, unter welchen Voraussetzungen Medizinprodukte abgegeben werden dürfen und welche Anforderungen an die Lagerung, Beratung und Fachkenntnis gestellt werden. Der Paragraph ist entscheidend für Apotheken, Drogerien und andere Abgabestellen, die Medizinprodukte führen. Die Regelungen sind praxisrelevant: Sie betreffen unmittelbar den Umgang mit Medizinprodukten im Alltag und legen Verantwortlichkeiten klar fest.

Sachgerechte Lagerung und betriebliche Voraussetzungen

Abgabestellen müssen geeignete Rahmenbedingungen für alle vorrätigen Medizinprodukte schaffen. Das bedeutet konkret:

Die Abgabestelle muss die betrieblichen Voraussetzungen für eine sachgerechte Lagerung […] erfüllen.

Das umfasst etwa temperaturgeführte Lagerung, Schutz vor Feuchtigkeit, Licht oder mechanischer Beschädigung – je nach Produkt. Diese Anforderungen stimmen mit den bekannten Vorgaben aus der Apothekenbetriebsordnung überein, die weiterhin vollständig gelten.

Abgabe nur an Fachkreise oder mit Verschreibung

Für Produkte, die nicht zur Anwendung durch Laien (= medizinisches Fachpersonal erforderlich) bestimmt sind, gilt ein grundsätzliches Abgabeverbot an Privatpersonen.

Eine Abgabe […] darf nur an Fachkreise nach § 3 Nummer 2 des Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetzes erfolgen, es sei denn, eine ärztliche oder zahnärztliche Verschreibung wird vorgelegt.

Fachkreise umfassen beispielsweise Ärzt:innen, Zahnärzt:innen oder andere medizinisch ausgebildete Personen gemäß Definition. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn eine gültige ärztliche oder zahnärztliche Verschreibung vorliegt.

Pflicht zur fachlichen Beratung

In bestimmten Fällen muss eine fachliche Beratung gewährleistet sein. Das betrifft drei Produktgruppen:

  1. Verschreibungspflichtige, aber nicht apothekenpflichtige Produkte
  2. Produkte für Laien, die nicht zur Klasse I zählen (also mit erhöhten Risiken)
  3. In-vitro-Diagnostika zur Eigenanwendung

Umgekehrt gilt:

Dies gilt nicht bei einer Abgabe an Fachkreise […]

Wird also an Fachkreise abgegeben, ist die Beratungspflicht ausdrücklich aufgehoben.

Wer darf beraten? Anforderungen an die Sachkenntnis

Eine qualifizierte Beratung darf nur durch bestimmte, sachkundige Personen erfolgen:

  • Ärzt:innen und Zahnärzt:innen
  • Medizinprodukteberater:innen nach § 83 MPDG
  • Drogist:innen
  • Gesundheitshandwerker (z. B. Orthopädietechniker, Hörakustiker)
  • Leistungserbringer, die § 126 SGB V genügen

Dabei darf stets nur für Produkte beraten werden, die vom jeweiligen Berufs- und Tätigkeitsfeld abgedeckt sind.

Berufsgruppe Erlaubte Beratung für
Ärzt:innen, Zahnärzt:innen alles im Rahmen ihrer Fachgebiete
Medizinprodukteberater:in laut MPDG festgelegt
Drogist:in drogerieübliche Produkte
Gesundheitshandwerker Produkte des jeweiligen Handwerks
Sonstige Leistungserbringer laut SGB V und Ausbildung

Ausnahmen und Wegfall einzelner Absätze

Absätze (4), (4a) und (5) sind weggefallen und haben in der aktuellen Version keine praktische Relevanz mehr.

TippPraxis-Tipp

Achte im Apothekenalltag insbesondere auf zwei Dinge:

  • Die Unterscheidung zwischen Fachkreisen und Laien: Keine Abgabe von „Fachprodukten“ ohne Verschreibung an Laien!
  • Die Pflicht zur qualifizierten Beratung bei höherklassigen Laienprodukten oder bestimmten Diagnostika immer im Blick behalten – aber nicht gegenüber Fachkreisen.

Zusammenfassung

§ 4 MPAV legt die elementaren Anforderungen an Abgabe, Lagerung und Beratung von Medizinprodukten in der Abgabestelle fest. Die Vorschriften stärken Patientensicherheit und ordnungsgemäße Berufsausübung, indem Fachwissen, Verantwortlichkeiten und Beratungszuständigkeiten klar geregelt sind. Im Prüfungs- und Berufsalltag ist insbesondere die exakte Differenzierung zwischen Abgabeberechtigten, Verschreibungspflichten und Beratungspflichten zentral.

Prüfungsfragen

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Frage 1

Welche betrieblichen Anforderungen müssen Sie in einer Abgabestelle erfüllen, damit Medizinprodukte ordnungsgemäß vorrätig gehalten und abgegeben werden dürfen?

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Nach § 4 MPAV muss die Abgabestelle die betrieblichen Voraussetzungen für eine sachgerechte Lagerung der vorrätigen Medizinprodukte erfüllen. Gemeint sind Rahmenbedingungen, die die Produktqualität und -sicherheit erhalten, also insbesondere Lagerung entsprechend den jeweiligen Anforderungen des Produkts.

Typische Aspekte sind z. B. eine geeignete Temperaturführung, Schutz vor Feuchtigkeit, Licht oder mechanischer Beschädigung – jeweils abhängig von der Zweckbestimmung und den Herstellerangaben.

Wichtig ist, dass diese Anforderungen in der Apotheke nicht „neben“ der Apothekenbetriebsordnung stehen, sondern mit ihr zusammenlaufen: Die Vorgaben der Apothekenbetriebsordnung gelten weiterhin vollständig und sind bei Lagerung/Qualitätssicherung parallel einzuhalten.

Examens-Tipp: Antworte strukturiert: erst den Kerngedanken „sachgerechte Lagerung“, dann 2–3 typische Beispiele (Temperatur/Feuchtigkeit/Licht) und zum Schluss der Prüfungs-Punkt: In Apotheken immer den Bezug zur ApBetrO herstellen (gilt weiter vollständig).

Frage 2

Unter welchen Bedingungen dürfen Medizinprodukte, die nicht zur Anwendung durch Laien bestimmt sind, an Privatpersonen abgegeben werden?

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Für Medizinprodukte, die nicht zur Anwendung durch Laien bestimmt sind, gilt nach § 4 MPAV: Eine Abgabe darf grundsätzlich nur an Fachkreise erfolgen.

Eine Abgabe an Privatpersonen kommt nur ausnahmsweise in Betracht, wenn eine ärztliche oder zahnärztliche Verschreibung vorgelegt wird. Ohne eine solche Verschreibung ist die Abgabe an Laien/Privatpersonen unzulässig.

Die „Fachkreise“ richten sich dabei nach der Legaldefinition in § 3 Nummer 2 MPDG (z. B. ärztliches/zahnärztliches und weiteres medizinisch qualifiziertes Personal im Sinne dieser Vorschrift).

Examens-Tipp: In der mündlichen Prüfung punktest du, wenn du klar trennst: Grundsatz „nur Fachkreise“ und dann die einzige im Text genannte Ausnahme „Verschreibung durch Arzt/Zahnarzt“. Keine langen Ausführungen zu Produktklassen, wenn es nur um die Abgabeberechtigung geht.

Frage 3

In welchen Fallgruppen muss bei der Abgabe von Medizinprodukten eine fachliche Beratung gewährleistet sein?

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Nach § 4 MPAV muss in bestimmten Konstellationen eine fachliche Beratung gewährleistet sein. Das betrifft insbesondere drei Fallgruppen:

  • Verschreibungspflichtige, aber nicht apothekenpflichtige Medizinprodukte
  • Medizinprodukte zur Anwendung durch Laien, die nicht der Klasse I angehören (also mit höherem Risikoprofil)
  • In-vitro-Diagnostika zur Eigenanwendung

Diese Beratungspflicht bezieht sich auf die sichere und sachgerechte Anwendung bzw. Nutzung des Medizinprodukts im Rahmen der Abgabe.

Examens-Tipp: Merke dir die drei Gruppen als „Rx-nicht-Apo“, „Laien aber höher als Klasse I“ und „IVD zur Eigenanwendung“. Wenn du das sauber aufzählen kannst, ist die Prüfungsfrage meist schon gewonnen.

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