§ 43 Ergänzende Leistungen zur Rehabilitation
Überblick und Regelungsinhalt
§ 43 SGB V regelt bestimmte ergänzende Rehabilitationsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Dabei soll insbesondere die Versorgungslücke zwischen akuter Krankenbehandlung und langfristiger Teilhabe geschlossen werden – gerade für chronisch Kranke und junge Patient:innen nach schwerwiegenden Erkrankungen. Der Fokus liegt auf Leistungen, die nicht von anderen Trägern übernommen werden, Patientenschulungen und gezielter medizinischer Nachsorge.
Ergänzende Rehabilitationsleistungen der Krankenkasse
Im Kern erlaubt Abs. 1 der Krankenkasse, über ihre grundsätzlichen Pflichten hinaus ergänzende Leistungen zur Rehabilitation zu erbringen oder zu fördern. Dies gilt, wenn diese erforderlich sind, um das Rehabilitationsziel zu erreichen oder zu sichern, aber nicht zu den klassischen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder zur sozialen Eingliederung gehören.
„…Leistungen zur Rehabilitation ganz oder teilweise erbringen oder fördern, die…erforderlich sind, um das Ziel der Rehabilitation zu erreichen oder zu sichern, aber nicht zu den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder den Leistungen zur allgemeinen sozialen Eingliederung gehören…“
Beispielhafte Anwendungsfälle:
- Hilfsmittel, die nicht direkt der beruflichen Teilhabe dienen
- Therapien, die die Lebensqualität erhöhen, aber nicht unmittelbar die gesellschaftliche bzw. berufliche Eingliederung betreffen
Wesentliche Voraussetzung: Die Krankenkasse muss unmittelbar zuvor eine Krankenbehandlung geleistet haben oder leisten.
Patientenschulung für chronisch Kranke
Abs. 1 nennt ausdrücklich: > „…wirksame und effiziente Patientenschulungsmaßnahmen für chronisch Kranke…“
Ziele und Inhalte:
- Vermittlung von Wissen über die Erkrankung und Therapie
- Förderung des eigenverantwortlichen Umgangs mit chronischer Krankheit
- praktische Schulung beispielsweise im Umgang mit Medikamenten und Hilfsmitteln
Die Einbeziehung von Angehörigen und ständigen Betreuungspersonen ist möglich, sofern aus medizinischen Gründen erforderlich – wie z.B. bei Kindern oder pflegebedürftigen Personen, deren Alltag eng von weiteren Personen begleitet wird.
Nachsorge bei Kindern und Jugendlichen nach schwerer Krankheit
Abs. 2 widmet sich speziell Kindern und Jugendlichen (unter 14, in besonderen Fällen unter 18 Jahren), die nach einer stationären Krankenhausbehandlung oder Rehabilitation auf fortgesetzte medizinische Unterstützung angewiesen sind, um den Übergang in den Alltag zu erleichtern.
„…erforderliche sozialmedizinische Nachsorgemaßnahmen… um den stationären Aufenthalt zu verkürzen oder die anschließende ambulante ärztliche Behandlung zu sichern.“
Wichtige Eckpunkte:
- Nachsorge schließt eine Koordination der verordneten Leistungen und die Anleitung/Motivation zur Inanspruchnahme ein.
- Auch hier können Angehörige und Betreuungspersonen eingebunden werden, wenn ärztlich geboten.
- Die Krankenkassen sind verpflichtet, Details zu Voraussetzungen, Inhalt und Qualität der Nachsorge bundeseinheitlich festzulegen (GKV-Spitzenverband).
Die Beratung und Unterstützung bei der Umsetzung von Patientenschulungen sowie die Mitwirkung bei der Koordination von Nachsorgemaßnahmen (z.B. Medikationsmanagement, Schulung zur Arzneimittelanwendung) zählen zu den zentralen Schnittstellen pharmazeutischer Berufsausübung im Sinne dieses Paragraphen.
Zusammenfassung
§ 43 SGB V regelt, wann und wie gesetzliche Krankenkassen Zusatzleistungen bei der Rehabilitation übernehmen dürfen – insbesondere zur „Überbrückung“ der Versorgungslücke zwischen Behandlung und langfristiger Teilhabe. Chronisch Kranke, Kinder und Jugendliche erhalten darüber hinaus spezielle Patientenschulungen und Nachsorge – inklusive Einbeziehung von Angehörigen, wenn medizinisch notwendig. Für pharmazeutische Berufe sind die Beratung, Schulung und Koordination im Sinne dieses Paragraphen zentrale Praxissituationen.
Prüfungsfragen
💡 Tipp: Weitere kursbegleitende Karteikarten für Recht & Praxis gibt es auf Repetico!
Frage 1
Unter welchen Voraussetzungen darf die gesetzliche Krankenkasse ergänzende Leistungen zur Rehabilitation erbringen oder fördern, die nicht zu den klassischen Teilhabeleistungen gehören?
Musterantwort anzeigen
Die Krankenkasse darf ergänzende Leistungen zur Rehabilitation ganz oder teilweise erbringen oder fördern, wenn kumulativ folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
- Die Leistung ist erforderlich, „um das Ziel der Rehabilitation zu erreichen oder zu sichern“.
- Es handelt sich gerade nicht um Leistungen „zur Teilhabe am Arbeitsleben“ und auch nicht um Leistungen „zur allgemeinen sozialen Eingliederung“, sondern um zusätzliche, ergänzende Reha-Leistungen.
- Wesentliche zusätzliche Voraussetzung: Unmittelbar zuvor muss die Krankenkasse bereits eine Krankenbehandlung geleistet haben oder leisten; der Anspruch knüpft also an eine vorangehende/parallel laufende Krankenbehandlung durch die GKV an.
Typisch sind damit Leistungen, die die Lücke zwischen Akutbehandlung und stabiler Teilhabe schließen, ohne den Schwerpunkt auf berufliche oder soziale Eingliederung zu legen.
Examens-Tipp: Strukturiere in der Prüfung sauber nach „Tatbestandsmerkmalen“: erst Erforderlichkeit fürs Reha-Ziel, dann Abgrenzung zu Teilhabe am Arbeitsleben/sozialer Eingliederung, und zum Schluss unbedingt die oft vergessene Zusatzvoraussetzung nennen: vorherige/aktuelle Krankenbehandlung durch die Kasse.
Frage 2
Welchen Inhalt hat eine Patientenschulungsmaßnahme für chronisch Kranke im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung und welches Ziel verfolgt sie?
Musterantwort anzeigen
Im Rahmen der ergänzenden Rehabilitationsleistungen kann die Krankenkasse „wirksame und effiziente Patientenschulungsmaßnahmen für chronisch Kranke“ erbringen oder fördern.
Ziel und Inhalt solcher Schulungen sind insbesondere:
- Vermittlung von Wissen über Erkrankung und Therapie
- Förderung des eigenverantwortlichen Umgangs mit der chronischen Erkrankung
- praktische Anleitung, z. B. im Umgang mit Arzneimitteln und Hilfsmitteln
Die Schulung ist damit nicht nur Wissensvermittlung, sondern soll die Patient:innen befähigen, Therapie und Alltag besser selbst zu managen und so das Rehabilitationsziel zu sichern.
Examens-Tipp: Wenn du pharmazeutisch punkten willst, übersetze „wirksam und effizient“ in Praxis: z. B. korrekte Inhalation, Pen-Anwendung, Adhärenzförderung, Erkennen von Nebenwirkungen – das zeigt den Bezug zur Apotheke, ohne vom Gesetzestext wegzugehen.
Frage 3
Unter welchen Bedingungen dürfen Angehörige oder ständige Betreuungspersonen in Patientenschulungen für chronisch Kranke einbezogen werden?
Musterantwort anzeigen
Angehörige und ständige Betreuungspersonen können in Patientenschulungen einbezogen werden, sofern dies aus medizinischen Gründen erforderlich ist.
Die medizinische Erforderlichkeit kann sich insbesondere ergeben, wenn die Umsetzung der Therapie im Alltag maßgeblich durch Dritte mitgetragen wird, etwa bei Kindern oder pflegebedürftigen Personen. Entscheidend ist, dass die Einbeziehung nicht „aus praktischer Bequemlichkeit“, sondern als medizinisch begründeter Bestandteil der Zielerreichung bzw. -sicherung erfolgt.
Examens-Tipp: Merke dir als Prüfungssatz: Einbeziehung ja – aber nur bei medizinischer Erforderlichkeit. Ein kurzes Beispiel (Kind, Pflegebedürftigkeit) hilft, ohne dass du den Gesetzestext zitieren musst.
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️ Unter allen hilfreichen Einsendungen verlosen wir jeweils im Januar und Juli 50 € (Teilnahmebedingungen).
Teile der Inhalte dieser Seite wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt. Trotz sorgfältiger Prüfung und Moderation können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Wichtige Informationen sollten stets anhand offizieller Quellen verifiziert werden. Gefundene Fehler können gerne über das Feedback-Formular gemeldet werden.